Foto: Jürgen Grözinger

16. und 17. April 2011

last echo of feeling

In Kooperation mit der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, dem Kulturhaus Schloss Großlaupheim und dem Ulmer Münster

Die Begegnung Samuel Becketts (1906-1989) mit der deutschen Romantik während seines Berlin-Aufenthaltes im Jahre 1936 ist gewissermaßen Ausgangssituation und Inspiration für die neue Ausgabe des Festivals mit neuer Musik.

Samuel Beckett
Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein

Mit stundenlangen Wanderungen durch Berlin hatte Beckett versucht, seiner Einsamkeit und dem Schmerz um eine verlorene Liebe zu entkommen. "How I ADORE solitude!" – in diesen an die Seufzer romantischer Wanderer erinnernden Ausruf mündet Becketts Beschreibung seines Stadtspazierganges in der Abenddämmerung zu Silvester 1936. Er glaubte, im Museum betrachtete Stimmungsbilder der Romantiker wiederzuerkennen.

Yuka Yanagihara. Foto: © Yuka Yanagihara
Kulturhaus Schloss Großlaupheim

Last echo of feeling

Der erste Abend (15. April Kulturhaus Schloss Großlaupheim, 16. April im Stadthaus) wartet mit einem dreiteiligen inszenierten Konzert auf. Der späte Schubert trifft hier auf Gustav Mahler und Morton Feldman. Die behutsame Neu-Instrumentation durch Antonis Anissegos verrückt dabei auf subtile Art das scheinbar altbekannte Schubert’sche; Mahlers Klangwelt erscheint in der Instrumentation Arnold Schönbergs. Mit Morton Feldman steht ihnen der sich jedem persönlichen Ausdruck verweigernde Typus des intellektuellen Konzept-Komponisten des 20. Jahrhunderts gegenüber. Dieses konzertante Musik-Theater-Projekt für eine Sängerin, einen Sänger, einen Sprecher und Ensemble wurde von Regisseur Hannes Hametner und Jürgen Grözinger gemeinsam entwickelt.

Alex Nowitz. Foto: Heather MacCrimmon
Ulmer Münster

In der Gegenüberstellung der neu arrangierten Werke Schuberts und Mahlers mit zeitgenössischen Kompositionen und ihrer motivischen Verknüpfung und Weiterführung in den Figuren und Texten von Beckett entfaltet das Musik-Theater-Projekt seine Spannung.

Eröffnet wird der Abend mit der Uraufführung des Stücks Der Stadtwanderer von Alex Nowitz für Stimme und Live-Elektronik mit Gestural Controllers.

Die Live-Elektronik von Alex Nowitz wurde von der Stiftung Steim entwickelt, gebaut und gefördert. Alex Nowitz ist Artist-In-Residence at Steim, Amsterdam.
Die Komposition von Alex Nowitz sowie die Neu-Instrumentierungen von Antonis Anissegos werden ermöglicht durch die Unterstützung von Herrn Gerhard Mayer, Ulm.

Im Epilog öffnet sich der Konzertraum schließlich zum Salon, zur Lounge. Das Publikum erlebt Facetten des Echos von romantischer Sehnsucht in aktueller, dem Pop-Sound nahe stehender Musiksprache.
Special guest der diesjährigen Lounge, ist mit einer Performance der Salon K aus Berlin, ein "sinnlicher Tanzsalon", wie die Welt am Sonntag titelt. Ebenfalls ein special guest, wenn auch ein lokaler, ist der junge Ulmer Musiker Johannes Weißschnur, der u.a. als DJ JayJo auftreten wird.

Die Anatomie der Gefühle

Münsterpfarrerin Tabea Frey beschäftigt sich in der Matinee am Sonntag Vormittag mit der Anatomie der Gefühle. Die altorientalische Kultur betrachtete das Herz als den Sitz des Denkens und Entscheidens. Das Fühlen ordnete sie den Nieren zu. In der Romantik hingegen ist das Herz der zentrale Ort der Gefühle. Ein Perspektivenwechsel hatte sich vollzogen, der die Auffassung vom Religiösen nicht unberührt ließ.

Die Sopranistin Yuka Yanagihara, der Pianist Antonis Anissegos und der Perkussionist Jürgen Grözinger treten mit Tabea Frey in einen musikalischen Dialog.

Last echo of romantics

Der zweite Konzertabend (So 17. April) wird eröffnet durch Becketts Film "Nacht und Träume", dessen Titel sich auf das gleichnamige Schubert-Lied bezieht, das am ersten Abend auf dem Programm stand. Schuberts "Mignon" wird dann in einer Adaption von Aribert Reimann für Sopran und Streichquartett gespielt. Zentrales Werk des Abends ist Morton Feldmans spätes Werk "Piano and String Quartet", ein rund 80 Minuten langes intensives Hörerlebnis.

Bei der Realisierung des diesjährigen Festivals stehen dem Stadthaus und dem Europaen Music Project drei Kooperationspartner zur Seite: Münsterpfarrerin Tabea Frey wird – nun beinahe schon eine Tradition – am Sonntag die Matinee mitgestalten. Fortgeführt wird auch die Kooperation mit dem Kulturhaus Schloss Großlaupheim, das einen Konzertabend übernehmen wird. Erstmals kooperieren wir mit der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, die einige Musiker und Instrumente nach Ulm schickt.

Details zum Programm finden Sie auf dem Flyer (unten als PDF zum Download)

Mit dem European Music Project & Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein
Yuka Yanagihara, Gesang, Alex Nowitz, Performance / Gesang, Rüdiger Kuhlbrodt / Sprecher,
digitalinberlin & Gagarino.

DigitalBerlin

Last echo of feeling
Freitag, 15. April 2011, 20.00 Uhr, Schloss Großlaupheim,
und Samstag, 16. April 2011, 19.00 Uhr, Stadthaus Ulm (Werke von Alex Nowitz, Franz Schubert / arr. Antonis Anissegos, Morton Feldman, Gustav Mahler / arr. Arnold Schönberg, Jürgen Grözinger u.a.)

Die Anatomie der Gefühle - Matinee
Sonntag, 17. April 2011, 11.00 Uhr, Stadthaus Ulm
(Werke von Franz Schubert, Antonis Anissegos, Jürgen Grözinger)

Last echo of romantics
Sonntag, 17. April 2011, 19.00 Uhr, Stadthaus Ulm
(Werke von Samuel Beckett (Film), Franz Schubert (/ arr. Aribert Reimann, Morton Feldman u.a.)

Projektleitung: Jürgen Grözinger

Das Festival wird unterstützt durch
die Freunde der neuen Musik im Stadthaus Ulm e.V., dem Lions Club Ulm / Neu-Ulm, dem Maritim Hotel Ulm.
Unser Dank geht ebenso an das Hotel Bäumle, Ulm, sowie an das Busunternehmen Baumeister-Knese für ihre Unterstützung.


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